
Gerade lese ich ein interessantes Buch über erfolgreiches Storytelling.
Das Thema interessiert mich schon eine ganze Weile, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es zu den wenigen Grundfähigkeiten einer Führungskraft es gehört, gute Geschichten zu erzählen. Nur wer gute Geschichten erzählen kann, kann andere Menschen für seine Mission mitnehmen. Fakten alleine reichen nicht.
Das Buch gewinnt mich gleich mit dem ersten Kapitel. Frage einen Menschen nicht danach, was sie/er tut, sondern wofür sein/ihr Herz singt?
Natürlich klingt das im Deutschen wieder einmal unsäglich kitschig. Aber diese Frage wird ursprünglich (mal wieder) Steve Jobs zugeschrieben, der - genauso wie der legendäre GE-CEO Jack Welch - bei der Auswahl seiner Manager stets nach deren größten Leidenschaft gefragt hatte. Und seine Frage war eben nicht - "what do you want to do?" - sondern - "what makes your heart sing?"
Wenn der Gegenüber mal nicht wusste, was damit gemeint war, erzählte er über die Begegnung mit dem Leiter eines der berühmtesten Restaurants der Welt. Es ging darum, ob es eine Sache gibt, die alle großen Unternehmer gemein haben - und dieser war der Überzeugung, dass es tatsächlich etwas gibt: sie allen brennen für ein ganz bestimmtes Thema. Alle haben sie eine Passion.
Der Restaurantleiter fragte seinen Gegenüber: "was denkst Du, wenn Du ein Glas Wein siehst?" Und der Gegenüber sagte „Ein Getränk“. "Siehst Du, für mich bedeutet ein Glas Wein ein Weingut, Ich sehe seine Bestandteile. Ich sehe Freude. Ich sehe Familie. Ich sehe Feiern. "
Die meisten Menschen mögen Wein. Aber dem Restaurantbesitzer "singt sein Herz" - das ist ein Riesenunterschied.
Wenn also jemand eine Rede halten soll mit der Absicht, die Menschen für etwas anzuzünden (wofür sollte man sie sonst überhaupt halten) - dann sollte dieser Menschen sinnvollerweise selbst für etwas brennen.
Natürlich habe ich mich bei dieser Gelegenheit gleich gefragt, welche Geschichte ich hören muss, damit mein Herz höher schlägt?
Und hier nun - was mir bei der Frage sofort eingefallen ist:
WENN ICH HÖRE, DASS ES EINEM MANAGER GELINGT, DASS SEINE LEUTE GERNE AUF DIE ARBEIT KOMMEN UND SIE SICH IN DEN BERÜHMTEN 6 EBENEN DES ENGAGEMENTS AUF EBENE 5 - dem überzeugten Engagement - BEWEGEN.
Die meisten Menschen verbingen die meiste Zeit ihrer besten Jahre mit dem Erwerb des Lebensunterhalts. Es ist ein solcher Segen, wenn es Menschen gelingt, für andere Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sie aufblühen und sich Tag für Tag wohlfühlen. Da „springt mein Herz“.WENN ES GUTEN FÜHRUNGSKRÄFTEN GELINGT, EIN GROSSARTIGES UNTERNEHMEN ZU SCHAFFEN UND ZU ERHALTEN. Hierfür muss man natürlich definieren, was man unter einem großartigen Unternehmen verstehst. Hier übernehme ich die Definition von FranklinCovey: Es besteht aus 4 gleichberechtigten Elementen: 1. kontinuierlicher wirtschaftlicher Erfolg - 2. hohe Kundenloyalität - 3. Hohes Mitarbeiterengagement - 4. Beitrag für die Gesellschaft
Zu 1. Ein großartiges Unternehmen hat nicht unbedingt die höchsten Steigerungsraten in den Finanzkennzahlen - das ist eh meist ungesund - sondern die wichtigsten Kennziffern wie EBITDA, Umsatz und Cashflow entwickeln sich kontinuierlich positiv.
Zu 2. Kundenzufriedenheit ist das eine. Kundenloyalität ist etwas ganz anderes. Dies drückt sich am besten in der Messung des Net Promoter Scores aus: Mit welcher Wahrscheinlichkeit würde man ihr Unternehmen einem besten Freund weiterempfehlen?
Zu 3. Hohes Mitarbeiterengagement. (s.o.)
Zu 4. Viele Unternehmen entziehen der Gesellschaft maximale Profitmargen, ohne aber der Welt wieder etwas davon zurückzugeben. Man schlachtet nicht die Gans, die goldene Eier legt. Jedes Unternehmen sollte die Verantwortung spüren, auch der Gesellschaft von der man profitiert wieder etwas zurückzugeben, damit sie als gesunder Markt erhalten bleibt - und wenn es nur bedeutet, redlich seine Steuern zu bezahlen.
Wieviele Unternehmen gibt es wohl, die sich alle vier Eigenschaften zurechnen können? Es sind wohl sicher mehr als man zunächst denkt. Insbesondere im Mittelstand wird man sie häufiger antreffen, als auf dem Börsenparkett.
Aber nun wieder zurück zur Ausgangsfrage: bei welchem Thema schlägt Ihr Herz automatisch höher? Verdienen Sie damit Ihr Geld? Wenn nein, warum nicht?
Und wenn diese Frage zunächst zu „groß“ ist für den Augenblick, dann fragen Sie sich bei Ihrer nächsten Präsentation, für welchen Aspekt ihres Themas sie besonders brennen und lernen sie, eine gute Geschichte darüber zu erzählen!
