Ein Spitzengespräch

Ein Spitzengespräch

Markus Feldenkrichen hatte ich zum ersten Mal wahrgenommen im Zuge der Wahlkampfbegleitung vom damaligen Bürgermeister von Weselen - Martin Schulz, der sich 2017 anschickte, Bundeskanzler werden zu wollen.  Das ist übrigens ein Amt, um das sich immer wieder Menschen bewerben - auch wenn sie kaum realistische Chancen darauf haben. 

Auch wenn er es nie ausspricht oder ausgesprochen hat - Robert Habeck wäre es gerne geworden - und wer weiß - vielleicht bekomm er nochmals die Chance dazu.  Ich würde ihn jedenfalls wählen.

Nicht, weil er als Wirtschaftsminister so brilliert hätte (gleichwohl ich sicher bin, dass seine Leistungen besser waren, als der Ruf darüber), sondern weil der Mann die Prinzipien propagiert, die Steven R. Covey in seinen „7 Wegen zur Effektivität“ meisterhaft beschrieben hat und die ich selbst - seit der ersten Kenntnisnahme im Jahr 2000 - versuche zu leben und in den Unternehmenskulturen meiner Kunden zu verankern.

Wer hier Zweifel hegt, der möge sich das sehr gute Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen auf YouTube in Ruhe anschauen.

Eine sehr bekannte Psychotherapeutin hat einmal mutig gesagt: für sie gäbe es nur gute oder schlechte Menschen. Die guten Menschen sind diejenigen, die ihr eigenes Handeln selbstkritisch reflektieren können. Die anderen sind schlecht, weil deren Unreflektiertheit dazu führt, dass sie die Hilfe für ihr eigenes Leben immer im Außen suchen und nicht in sich selbst. 

Diese These wäre eine eigene Diskussion wert - aber ich möchte heute nur bei Robert Habeck bleiben.

Er ist in der Lage selbstkritisch zu reflektieren und er ist in der Lage, die Dinge in ihrer Wirklichkeit zu betrachten und dabei sich nicht zu wichtig zu nehmen. Wenn man ihm zuhört, könnte man meinen, er hat die 7 Wege studiert.  Wenn er sagt, in einer Regierung muss man sich als Team verstehen, welches zusammenhalten muss, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, dann drückt er die Wege 4 (Gewinn-Gewinn-Denken), 5 (erst verstehen um verstanden zu werden) und natürlich 6 (Synergien schaffen) aus.

Leider zeigt sich auch bei ihm, dass er Coveys Werk nicht gelesen oder zumindest nicht verinnerlicht hat, denn auch er spricht immer nur von Kompromissfindung als die eigentliche Aufgabe innerhalb einer Demokratie.

Aber schon der alte Henry Kissinger wusste die Definition von guten Kompromissen zu definieren: „wenn beide Parteien hinterher gleich unglücklich sind“.

Kompromiss ist und bleibt 1 + 1  = 1,5, während eine Synergie eher durch die Formel 1 + 1  = 25 beschrieben werden kann.  Nur kann Weg 6 - Synergien schaffen - nicht alleine stehen, sondern benötigt das Fundament einer persönlichen Unabhängigkeit + einer win-win-Einstellung + der Fähigkeit, den anderen in seiner anderen Position wirklich verstehen zu wollen, bevor man sich auf die (tolle) Suche nach kreativen Lösungen aufmacht.  

Ach ja - und da war ja noch die Wertschätzung von Unterschieden….  
Ach ja - und da war ja dann auch noch die Bereitschaft zu haben, über eine Lösung nachzudenken, die sogar besser sein kann, als das was man derzeit selbst im Kopf hat……

Menschen wie Robert Habeck sind selten in führenden Positionen der Unternehmen und der Politik. Aber sie sind so wichtig, denn wir brauchen an allen Ecken und Enden kreative und kooperative Lösungen.

Am Ende des Gesprächs sollte er einen Satz vervollständigen -  "Was ich an Markus Söder am meisten bewundere…..“ . Er überlegte kurz und erwiderte nur kurz und mutig:  „Markus Söder gehört zu den wenigen Menschen, an denen ich nichts bewundere“.

Wie recht er hat.

Ich wünsche allen eine effektive und vor allem selbst-reflektierte Woche.